Als
Fanö Kirchengeschichte schrieb
Als
mit den Kirchenwahlen des Sommers 1933 die „Deutschen Christen“
die Macht über die Kirche an sich gerissen hatten, sah es so aus,
als sei jeder Widerstand zwecklos. Dietrich Bonhoeffer, seit dem
Herbst 1933 Pastor der deutschen Gemeinde in London, sah das anders.
Als langjähriger Jugendsekretär des Weltbundes für
Freundschaftsarbeit der Kirchen hatte er gute Verbindung zu
leitenden Persönlichkeiten der ökumenischen Bewegung, besonders zu
dem englischen Bischof George Bell, dem damaligen Präsidenten des
Weltrates für praktisches Christentum. Diese Kontakte wurden nun
ausgebaut und genutzt, und Bonhoeffer verstand es deutlich zu
machen, daß es sich mit den Geschehnissen des dritten Reiches nicht
um interne deutsche Angelegenheiten handelte, sondern daß hier die
Ökumene, die Gesamtkirche, herausgefordert sei, wenn „Arierparagraph“
und „Führerprinzip“ mit terroristischen Methoden in die Kirche
eingeführt wurden. So ist es Bonhoeffer zuzuschreiben, daß Bischof
Bell sich zu einem intervenierenden Wort an die Reichskirchenleitung
entschloß und seine tiefe Beunruhigung über Arierparagraph und Führerprinzip
in der evangelischen Kirche zum Ausdruck brachte (die sog. "Himmelfahrtsbotschaft").
Und
dann kam die in der evangelischen Christenheit der ganzen Welt mit
Spannung erwartete ökumenische Konferenz von Fanö. Das Thema
sollte sein: "Kirche und Volkerwelt". Das lag in der Luft,
denn es galt, das Verhältnis zu totalitären Staaten neu zu
bestimmen. Bonhoeffer selbst sorgte gründlich dafür, daß die
Konferenz keine akademisch unverbindliche Erörterung wurde.
Sein
Engagement lag aber noch an einer ganz anderen Stelle. Gleichzeitig
mit dem Ökumenischen Rat tagte auf Fanö der Weltbund für
Freundschaftsarbeit der Kirchen. Bonhoeffer war aufgefordert worden,
vorbereitende Thesen auszuarbeiten. Auf dem Hintergrund der
Entwicklung in Deutschland – Deutschland war aus dem Völkerbund
ausgetreten, hatte alle internationalen Abkommen aufgekündigt,
soweit sie eine Rüstungsbeschränkung vorsahen, hatte eine
fieberhafte Aufrüstung begonnen mit dem erkennbaren Ziel einer
Kriegsvorbereitung, zudem war Hindenburg gestorben und Hitlers Macht
damit außerhalb jeglicher Kontrolle - auf diesem Hintergrund rief
Bonhoeffer zum Frieden - in der berühmt gewordenen Morgenandacht des
28. August 1934: "Ach,
dass ich hören sollte, was der Herr redet, daß er Frieden
zusagte seinem Volk und seinen Heiligen" (Psalm 85,9).
Bonhoeffer fragte: "Wie wird Friede? Wer ruft zum Frieden, daß
die Welt es hort, zu hören gezwungen ist? daß alle Völker darüber
froh werden müssen?.. Warum fürchten wir das Wutgeheul der Weltmächte?
Warum rauben wir ihnen nicht die Macht und geben sie Christus zurück?
...
Nur
das eine große Ökumenische Konzil der Heiligen Kirche Christi aus
aller Welt kann es so sagen, daß die Welt zähneknirschend das Wort
vom Frieden vernehmen muß..."
Christian
Eisenberg
[1995]
|

Am 24. August 1994 waren 60 Jahre vergangen, daß die große ökumenische Konferenz von Fanö unter der Leitung des gastgebenden
Bischofs Valdemar Ammundsen, Haderslev, eröffnet wurde. Zu diesem
Anlaß wurde am Fanö Bad ein Gedenkstein enthüllt.

In den Dünen von Fanö 1934. Zweiter von links ist Dietrich Bonhoeffer.
|
"Wie wird Friede? Durch ein System
von politischen Verträgen? Durch Investierung internationalen
Kapitals in den verschiedenen Ländern? D.h. durch die Großbanken,
durch das Geld? oder gar durch eine allseitige friedliche Aufrüstung
zum Zweck der Sicherstellung des Friedens? Nein , durch dies alles
aus dem einen Grund nicht, weil hier überall Friede und
Sicherheit verwechselt wird. Es gibt keinen Frieden auf dem Weg
der Sicherheit. Denn Friede muss gewagt werden, ist das eine große
Wagnis und lässt sich nie und nimmermehr sichern..."
Vortrag Bonhoeffers "Kirche und Völkerwelt" auf der Ökumenischen
Konferenz in Fanö am 28.8.1934
|
|