Nordby Kirke Fanø

 

 

 

 

 

 

Fanø 1934


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Die ökumenische Konferenz in Fanö 1934

 

Als Fanö Kirchengeschichte schrieb

Als mit den Kirchenwahlen des Sommers 1933 die „Deutschen Christen“ die Macht über die Kirche an sich gerissen hatten, sah es so aus, als sei jeder Widerstand zwecklos. Dietrich Bonhoeffer, seit dem Herbst 1933 Pastor der deutschen Gemeinde in London, sah das anders. Als langjähriger Jugendsekretär des Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen hatte er gute Verbindung zu leitenden Persönlichkeiten der ökumenischen Bewegung, besonders zu dem englischen Bischof George Bell, dem damaligen Präsidenten des Weltrates für praktisches Christentum. Diese Kontakte wurden nun ausgebaut und genutzt, und Bonhoeffer verstand es deutlich zu machen, daß es sich mit den Geschehnissen des dritten Reiches nicht um interne deutsche Angelegenheiten handelte, sondern daß hier die Ökumene, die Gesamtkirche, herausgefordert sei, wenn „Arierparagraph“ und „Führerprinzip“ mit terroristischen Methoden in die Kirche eingeführt wurden. So ist es Bonhoeffer zuzuschreiben, daß Bischof Bell sich zu einem intervenierenden Wort an die Reichskirchenleitung entschloß und seine tiefe Beunruhigung über Arierparagraph und Führerprinzip in der evangelischen Kirche zum Ausdruck brachte (die sog. "Himmelfahrtsbotschaft").

Und dann kam die in der evangelischen Christenheit der ganzen Welt mit Spannung erwartete ökumenische Konferenz von Fanö. Das Thema sollte sein: "Kirche und Volkerwelt". Das lag in der Luft, denn es galt, das Verhältnis zu totalitären Staaten neu zu bestimmen. Bonhoeffer selbst sorgte gründlich dafür, daß die Konferenz keine akademisch unverbindliche Erörterung wurde.

Sein Engagement lag aber noch an einer ganz anderen Stelle. Gleichzeitig mit dem Ökumenischen Rat tagte auf Fanö der Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kirchen. Bonhoeffer war aufgefordert worden, vorbereitende Thesen auszuarbeiten. Auf dem Hintergrund der Entwicklung in Deutschland – Deutschland war aus dem Völkerbund ausgetreten, hatte alle internationalen Abkommen aufgekündigt, soweit sie eine Rüstungsbeschränkung vorsahen, hatte eine fieberhafte Aufrüstung begonnen mit dem erkennbaren Ziel einer Kriegsvorbereitung, zudem war Hindenburg gestorben und Hitlers Macht damit außerhalb jeglicher Kontrolle - auf diesem Hintergrund rief Bonhoeffer zum Frieden - in der berühmt gewordenen Morgenandacht des 28. August 1934: "Ach, dass ich hören sollte, was der Herr redet, daß er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen" (Psalm 85,9). Bonhoeffer fragte: "Wie wird Friede? Wer ruft zum Frieden, daß die Welt es hort, zu hören gezwungen ist? daß alle Völker darüber froh werden müssen?.. Warum fürchten wir das Wutgeheul der Weltmächte? Warum rauben wir ihnen nicht die Macht und geben sie Christus zurück? ...

Nur das eine große Ökumenische Konzil der Heiligen Kirche Christi aus aller Welt kann es so sagen, daß die Welt zähneknirschend das Wort vom Frieden vernehmen muß..."

Christian Eisenberg [1995]

 

 

Am 24. August 1994 waren 60 Jahre vergangen, daß die große ökumenische Konferenz von Fanö unter der Leitung des gastgebenden Bischofs Valdemar Ammundsen, Haderslev, eröffnet wurde. Zu diesem Anlaß wurde am Fanö Bad ein Gedenkstein enthüllt.

 

In den Dünen von Fanö 1934. Zweiter von links ist Dietrich Bonhoeffer.

 

"Wie wird Friede? Durch ein System von politischen Verträgen? Durch Investierung internationalen Kapitals in den verschiedenen Ländern? D.h. durch die Großbanken, durch das Geld? oder gar durch eine allseitige friedliche Aufrüstung zum Zweck der Sicherstellung des Friedens? Nein , durch dies alles aus dem einen Grund nicht, weil hier überall Friede und Sicherheit verwechselt wird. Es gibt keinen Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn Friede muss gewagt werden, ist das eine große Wagnis und lässt sich nie und nimmermehr sichern..."

Vortrag Bonhoeffers "Kirche und Völkerwelt" auf der Ökumenischen Konferenz in Fanö am 28.8.1934